
Ein nicht ganz alltäglicher Reisebericht
Von Carsten Schlabach, stellvertretende Leitung Fire & Resuce bei Dönges
Ein Reisebericht von Carsten Schlabach
Die zertifizierte Ausbildungsstätte Colorado Firecamp bietet für Interessenten Kurse im Bereich Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung vom Basic Firefighter („Wildland Firefighter“) bis zum Fire Officer an – und ich hatte die Möglichkeit, an einem dieser Kurse teilzunehmen. Mein Trip startete in Frankfurt, per Flugzeug ging es ca. 9,5 Stunden nach Denver und dann weitere 3,5 Stunden nach Salida, Colorado, ins Firecamp.
Vier Tage intensives Training lagen vor mir. Neben mir waren 21 Kandidaten aus den gesamten USA bereit, sich zum „Wildland Firefighter“ oder genauer gesagt „S-130/190 Basic Firefighter, L-180, Human Factors on the Fireline und FEMA ICS-100 & ICS-700“ weiterbilden zu lassen – auch wenn nur drei der Teilnehmer einen Feuerwehr-Hintergrund hatten. Unser Trainer Tony war dafür ein erfahrener Firefighter und Engine Crew Boss. Theorie war ihm als Grundlage wichtig, aber am besten ist Praxis. Und so haben wir beides konsequenterweise meistens Outdoor abgehalten.
„Körperlich wird man an seine Grenzen gebracht.“
Die praktische Ausbildung im Wildfire Camp bedeutete nicht nur große Strecken in der Ebene zu absolvieren, sondern auch mal schnell 200 Höhenmeter zu machen und dort die Handgeräte einzusetzen. Körperlich wird man schon an seine Grenzen gebracht. Aber es ging beim Training ja auch darum, die physischen Anforderungen kennenzulernen. Sicherheit, wie beispielsweise beim richtigen Tragen der Handgeräte, war während des Trainings oberste Priorität. Dazu gehörten auch die Nutzung der sogenannten Fire-Shelter. Diese bieten Schutz vor Hitze und Flammen, sollte man tatsächlich einmal in eine ausweglose Situation geraten. Schon unter Übungsbedingungen ist es ein komisches Gefühl, wenn man unter diese schützende Hülle muss.

Gemeinsames praktisches Lernen stand stets im Vordergrund.
Bei vielen Aufgaben lernte ich schnell, wie wichtig das Team ist. Gemeinsam schafft man es beispielsweise in kürzester Zeit, einen Wundstreifen anzulegen, obwohl jedes Teammitglied im Abstand von 3 m nur eine einzige Arbeitsbewegung ausführt. Aus der Summe der Bewegungen ergibt sich am Ende tatsächlich ein gut gelegter, ausreichend breiter Wundstreifen. Natürlich gehörte auch das Thema Bekämpfung von Vegetationsbränden mithilfe von Wasser zur Ausbildung. So wurde Wasser angestaut, kleine Pumpen zum Einsatz gebracht und Schlauchleitungen verlegt.
„Bei vielen Aufgaben lernte ich schnell, wie wichtig das Team ist.“
Wildland Urban Interface („WUI“), also beispielsweise Häuser und Hütten in der Nähe von Wäldern, sind eine besondere Herausforderung in der Waldbrandbekämpfung. Hier wurde unser Blick für mögliche Brandlast geschult und wie man diese deutlich verringern kann – beispielsweise durch Beschneiden von Bäumen, Wegnehmen von Vegetation in der Nähe von Gebäuden oder auch das Entfernen von Laub, Ästen oder weiterem Totholz aus Dachrinnen.

Die gesamte Ausbildung wurde in der entsprechenden PSA durchgeführt.
Auch der Einsatz der Brennkanne, der sogenannten „Drip Torch“, wurde intensiv geübt, sodass am Ende jeder von uns diese sicher bedienen konnte. Der richtige, taktische Einsatz dieser „Drip Torches“ erfordert allerdings die weitere Ausbildungsstufe „Firing Operations“.
Natürlich wurde die gesamte, praktische Ausbildung in der entsprechenden PSA durchgeführt. In den vier Tagen konnte ich intensiv die Vorzüge der Vegetationsbekleidung von Vallfirest und den ATR-1 Helm von Busch kennenlernen. Man kann fast sagen, es war ein 4-tägiger Tragetest mit dem Ergebnis: hervorragend bestanden!
Auch abends stand Lernen auf dem Programm. So gab es an einem Abend eine Informationsveranstaltung über mögliche Jobs in der Waldbrandbekämpfung, denn von April bis Oktober werden jedes Jahr mehrere tausend Einsatzkräfte angeheuert.

www.coloradofirecamp.com
An einem anderen Abend wurden dann Funkübungen in Gruppen durchgeführt. Jedes Team erhielt Legosteine, die man individuell zusammensetzen konnte. Die anderen Gruppen mussten dann durch Fragen herausfinden, wie diese zusammengebaut waren. Gar nicht so einfach und nicht nur eine gute Funkübung, sondern eben auch die Veranschaulichung von Kommunikationsschwierigkeiten bei der Übermittlung komplizierter Sachverhalte.
Aber natürlich gab es auch mal ein typisches BBQ. Und ein Coors Banquet Beer gehörte zum Abschluss des Tages dazu. Fun Fact: jedes Jahr spendet die Coors Brauerei 250.000 $ an die „Wildland Firefighter Foundation“ in den USA. Klar, dass damit das Banquet Beer der Favorit bei den US Wildland Firefightern ist.
Die große Abschlussübung fand auf einer 20 Meilen entfernten Höhenlage von ca. 2.600 m statt. Mit Einsatzfahrzeugen verlegten wir dorthin und wurden anschließend gebrieft. Ziel der Übung war es, dass jeder von uns einen Wundstreifen anlegen konnte, die Brennkanne entsprechend einsetzte und das Feuer, die Hitzeentwicklung sowie die Rauchentwicklung permanent beobachtete und entsprechend handelte. Fragen zu Taktik, Sicherheit und Anwendung der Handgeräte wurden parallel gestellt. Nach 3 Stunden hatten alle erfolgreich ihre Testaufgaben absolviert. Das Wiederherstellen der Einsatzbereitschaft und vor allem die Überprüfung der Gerätschaften und Instandhaltung erforderten weitere Stunden, bevor dann die Zertifikate übergeben werden konnten.
Auch wenn ich jetzt die Befähigung habe, mich bei Waldbrand- Einsatzteams in den USA zu bewerben, werde ich wohl in diesem Leben kein Hotshot 😉 Die Einblicke in Taktik und Gerätschaften werde ich aber in meiner Tätigkeit bei Dönges sehr gut einbringen können.

Exkurs: Hotshots
Auf dem Weg durch Colorado konnte ich auch kurz einen Einblick in die Arbeit der Pike Interagency Hotshot Crew gewinnen.
Diese zwanzigköpfige Einheit des USDA Forest Service ist auf Vegetationsbrände spezialisiert und in Monument, Colorado (USA), stationiert. Sie ist Teil der Pike- San Isabel National Forests & Cimarron and Comanche National Grasslands. Die USA hat mehr als 113 Hotshot- Teams, und das Pike IHC ist eines von fünf in Colorado. Ihre Geschichte begann 1962 als Roosevelt Inter-Regional Fire Suppression Crew. Seitdem haben sie sich immer wieder neu aufgestellt und ihren Standort gewechselt.
Die Hauptaufgabe der Pike IHC ist der Einsatz bei Waldbränden, wobei sie auch in der Katastrophenhilfe und im Ressourcenmanagement aktiv sind. Sie reisen durch die gesamten USA und international, um ihre Mission zu erfüllen. Zu ihren Aufgaben gehören das Anlegen von Schneisen und Wundstreifen, Brandbekämpfungsmaßnahmen, Nachlöscharbeiten, Überwachung, präventive Brände und die Reduzierung gefährlicher Brennstoffe. Die Crew kann als Einheit arbeiten oder sich in kleinere Trupps aufteilen, um flexibel auf unterschiedliche Herausforderungen zu reagieren. Im Durchschnitt sind sie während der Waldbrandsaison etwa 100 Tage im Einsatz und arbeiten rund um die Uhr zusammen. Teamwork, Kameradschaft und Flexibilität sind dabei ein Muss.