Mehr Transparenz – Bei der Leistungsfähigkeit von Feuerwehrlüftern

6.05.2024 | feurio!

Bisher gab es keine einheitlichen Angaben bezüglich der Leistungsfähigkeit von Lüftern im Feuerwehrbereich. Hersteller und Vertreiber benutzten zur Angabe der Lüfterleistung den Standard nach AMCA (US-Messverfahren), die Industrienorm der Industrieventilatoren ISO 5801 oder Angaben nach dem Injektorprinzip bzw. dem Freiluftverfahren. Dies macht einen objektiven Vergleich bisher nur schwer möglich.

Bereits im Jahr 2013 hatte eine große Berufsfeuerwehr beim Deutschen Institut für Normung einen Normungsantrag gestellt. Worum ging es konkret? Einerseits sollten Größen und Gewichtsklassen der Lüfter klar definiert werden. Andererseits sollte ihre Leistung nach einem einheitlichen System definiert und unabhängig gemessen werden können.

Dem Normungsantrag wurde stattgegeben und ein Arbeitskreis „tragbare Belüftungsgeräte“ gegründet. Die wesentlichen Ziele der neuen Norm sind:

  • transparente und vergleichbare Messwerte für alle Feuerwehrlüfter
  • Unterscheidung und Definition nach Antriebsart, Größe und Leistungsklasse
  • einheitliche Definition von Sicherheitsstandards, Kennzeichnung und Dokumentation

Perfekte Bedingungen für einen neutralen Vergleich schaffen
Neben der Erarbeitung und Definition der neuen Norm hatte der Arbeitskreis eine besondere Herausforderung zu meistern. Es musste eine Einrichtung gefunden werden, in der die Messungen neutral durchführbar waren. Die Suche war erfolgreich: Im Feuerwehr-Ausbildungszentrum der Firma Infraserv in Burgkirchen, Bayern existieren die perfekten Bedingungen für eine zielgerichtete Prüfung nach DIN.

Die Messungen erfolgten nach einem Verfahren, das an der Hochschule Coburg von Prof. Eppele, einem Spezialisten für Strömungsmechanik, und seinem Team entwickelt wurde. Auch die entsprechende Soft- und Hardware für die Messeinrichtung wurde durch die Hochschule Coburg entwickelt.

Die Messung simuliert eine praxisnahe Überdruckbelüftung in einem dreigeschossigen Gebäude über einen definierten Zeitraum. Das Gebäude wurde mit einer in der DIN definierten Messdüse versehen. Die Messwerte der getesteten Lüfter werden nach dem in der DIN festgelegten Ablauf ermittelt und von Infraserv zertifiziert. Jetzt ist endlich ein transparenter und neutraler Vergleich bei tragbaren Feuerwehrlüftern möglich.

ANMERKUNG: Die Werte der neuen Lüfternorm unterscheiden sich von denen in ANSI/AMCA240 und auch von denen anderer Messverfahren teilweise signifikant. Sie sind mit diesem Dokument jedoch für alle Lüfter einheitlich und stimmen mit den Anwendungen und Erfordernissen im Feuerwehrbereich überein.

Änderungswünsche zur neuen Lüfternorm sind als Entwurf DIN 14963/A1 im Januar 2024 veröffentlicht worden. Bis zum 8. April 2024 bestand die Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen. Danach wurde die Lüfternorm final verabschiedet und kann seitdem endlich die Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Lüfter und Hersteller sicherstellen.

Im Feuerwehr-Ausbildungszentrum der Firma Infraserv erfolgten alle zielgerichteten Prüfungen nach DIN.

FÜNF LEISTUNGSKLASSEN
Es gibt 5 Leistungsklassen. Die Leistungsklasse des Belüftungsgeräts muss stets in Abhängigkeit von fest definierten Luftvolumenströmen zugeordnet werden.

  • Leistungsklasse 1: Luftvolumenstrom 1.000 m3/h bis < 2.000 m3/h
  • Leistungsklasse 2: Luftvolumenstrom 2.000 m3/h bis < 3.000 m3/h
  • Leistungsklasse 3: Luftvolumenstrom 3.000 m3/h bis < 4.000 m3/h
  • Leistungsklasse 4: Luftvolumenstrom 4.000 m3/h bis < 5.000 m3/h
  • Leistungsklasse 5: Luftvolumenstrom ≥ 5.000 m3/h

Beispiel RAMFAN 40V
So ist beispielsweise der Lüfter „RAMFAN 40V“ ein Belüftungsgerät nach DIN 14963-EM-A-1-2 (Elektromotor mit Akku, Größenklasse 1, Leistungsklasse 2)

Nach diesem Normverfahren wurden bisher 5 Ramfan-Lüfter getestet: Elektrolüfter EX 520, Akkulüfter EX 50 Li (40 V) und EX 150 Li (52 V), ex-geschützter Elektrolüfter EFC 150X und Benzinlüfter GX 350.

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